Profilbild Katina Thuß

Katina Thuß

* 13.04.1984 in Karl-Marx-Stadt
† 05.02.2018
Erstellt von Freie Presse
Angelegt am 24.02.2018
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Über den Trauerfall (2)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Katina Thuß, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Traueranzeige

24.02.2018 um 17:17 Uhr von Ines
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Trauerrede

24.02.2018 um 17:17 Uhr von Ines

Thuß, Katina                                                                        

13.04.1984    -    05.02.2018

 

Und wohin auch immer deine befreite Seele fliegt,

wird sie in unseren Herzen ein Zuhause haben.               R.S.

 

Sehr geehrte Familie,

Verwandte, Freunde und Trauergäste,

 

es war die schwere, tückische Krankheit, die Katina am 05.02.2018 nicht mehr die Sonne und die vielen glücklichen Momente ihres Lebens sehen ließ.

Eine Krankheit, die man ihr äußerlich nicht ansah, die aber trotz aller Hilfe, Fürsorge und Liebe, die ihr entgegengebracht wurden, trotz aller mutigen Entscheidungen und Kämpfe, die Katina ihr entgegengesetzt hatte, letztendlich stärker war und sie diese Entscheidung treffen lies. Eine Entscheidung, die für uns so traurig und unbegreiflich ist.

 

Katina bittet um Verständnis dafür und darum, sich mit einem Lächeln und in Liebe an sie zu erinnern.

Die Frage nach Liebe ist eine, die sich für Katina nie stellte, denn sie wusste sich geliebt als Tochter, Schwester, Enkelin, Kollegin und Begleiterin vieler Lebenswege.

Noch scheint es unwirklich, dass sie in unserer Mitte fehlt.

Katina wirkte besonnen und stolz, war ein leuchtender Stern, lachte gern.

Sie bewies auf ihre ganz eigene Art, dass es stets galt, für die Erfüllung eigener Wünsche und das Umsetzen einmal gesetzter Ziele zu kämpfen.

 

Katina Thuß – wer war diese sehr besondere junge Frau,

die am Freitag, den 13. April 1984 in Karl-Marx-Stadt das Licht der Welt erblickte.

 

Sie hatte Musik im Blut:

Als Baby trommelte sie bei Uroma Lotte besonders gern mit Quirl und Löffel auf Topfböden.

Mit nicht einmal zwei Jahren kannte sie die Radioschlager, die Mutti und Oma mitsangen. Ihr erster Satz war: „´Stimmen im Wind‘ ist das.“

 

Zu Hause vorm Spiegel und in der Schule probte sie mit einer Freundin für die „Mini-Playback-Show“.

 

In der Musikschule nahm sie Saxophon-Unterricht, doch ihre ganz besondere Liebe galt dem Gesang.

 

Die Familie war begeistert und stolz, als die oft schüchtern wirkende Kati als letzte der Talente auf die Bühne ging und für die Abiturienten ihrer Schule sang. Ihr Mut und ihre Leistung wurden mit „Standing Ovation“ belohnt.

 

Musik war Katinas Leben und die Eltern unterstützten sie dabei. Sie sang und tanzte beim Studio WM, wirkte u.a. im Opernhaus bei der Aufführung des Musicals „Fame“ mit, sang bei Hochzeiten und vielen anderen Feierlichkeiten.

Kati genoss die Zeit und besaß das Selbstvertrauen, ihr Können und ihre Stimme auf den Brettern, die die Welt bedeuten unter Beweis zu stellen.

 

Neben dem Gesang war es besonders die Kreativität, die Katina auszeichnete.

-         Malerei und Fotografie,

-         Keramik,

-         Schmuck herstellen,

sie war stets von dem Wunsch beseelt, ihrem ästhetischen Empfinden Ausdruck zu verleihen.

 

Tiere spielten immer eine große Rolle in Katinas Leben. In der kleinen Stadtwohnung in Chemnitz war weder Platz noch Zeit für einen Hund, wohl aber für Katze und Sittich. Die Eltern mussten jedoch noch während des Umzugs nach Neuwürschnitz ihr Versprechen einlösen, und so kam Hündin Jacky in die Familie.

 

Zielstrebig verfolgte Katina ihren Weg, packte die Koffer, ging als Au-pair in die USA und fasste den Entschluss, in Großbritannien Musikmanagement zu studieren.

 

Außer, die Sprache fast perfekt zu beherrschen, nahm sie noch etwas Besonderes aus den USA mit, was bis zuletzt Bestand hatte, die feste Freundschaft zu Jacqueline.

 

Das Studium in Großbritannien bereitete ihr Freude, besonders weil es viele Möglichkeiten der praktischen Erprobung bot.

Es war nicht immer leicht, so fern der Heimat zu sein. Gemeinsame Urlaube mit der Familie halfen, wenn das Heimweh zu groß wurde.

Für ihre Abschlussarbeit suchte sie sich eine eigene Band und produzierte diese. Ihr Engagement, ihr Können wurden mit der Bestnote belohnt und öffneten ihr Türen.

Schnell fand sie ihren Traumjob, konnte als Musikproduzentin in der Metropole London arbeiten.

Die Familie freute sich mit ihr; mit einem weinenden Auge, da sie nun so weit weg lebte, doch auch mit einem lachenden, weil Katina dort nicht allein war, sondern ihr Leben in London gemeinsam mit ihrem Freund und Partner Gareth teilen konnte.

 

Sie genoss ihr Leben mit Gareth in dieser großen, pulsierenden Stadt. Sog alles auf, was diese an Musik und Kultur zu bieten hatte.

Gemeinsam besuchten sie, so oft sie konnten, Konzerte, Theateraufführungen und reisten zu Musikfestivals. Katina sang in zwei Londoner Chören und war stolz auf Gareths Band.

 

London wurde für Katina zur zweiten Heimat.

An die Auswahl der eigenen vier Wände für sie beide ging sie so, wie an ihre Projekte in Studium und Arbeit. Sie hatte ein genaues Bild des Ergebnisses vor Augen und ließ sich durch kein Hindernis davon abbringen.

Bei Cavendish Music, der Produktions-Firma, bei der Katina arbeitete, war sie eine anerkannte und geschätzte Mitarbeiterin. Anerkannt und geschätzt durch ihr Können, das sie in vielen Projekten unter Beweis stellte, aber auch besonders durch ihre Gewissenhaftigkeit und ihren Teamgeist.

Schmunzelnd erzählte sie von einer Produktion mit dem Budapester Studio Orchestra: „Ich habe ganz allein 50 Männer mit Regieanweisungen angeleitet.“

In ihrem Team war sie für viele nicht nur Kollegin, sondern auch Freundin.

 

Sie stand professionell ihre Frau im Berufsleben und wusste sich auch privat angekommen im Glück. Liebevolle Aufnahme fand sie auch in Gareths Familie vor allem durch ihre stets verständnisvolle und warmherzige Art.

 

Besonders Kinderherzen konnte Katina schnell erobern. Das ist ihr bei Gareths Nichte Beatrice und Neffe Samuel, aber auch bei Jacquelines Söhnchen Joshua sofort gelungen.

Auch Gareth wurde in Katinas Familie mit offenen Armen und großer Herzlichkeit empfangen. Urlaube wurden stets so geplant, dass alle zusammen sein konnten.

 

Katina hatte einen starken Sinn für Gerechtigkeit. Die Auswahl ihrer Lieblingsbücher spricht dafür: „Der Drachenläufer“, „Der Buch-Dieb“,

„Pans Labyrinth“, „Der Pianist“…

In London war sie Mitglied der Labour Party und auch der Grünen, setzte sich aktiv gegen soziale Kürzungen ein.

 

Doch nicht nur das Gemeinwohl lag Katina am Herzen. Sie war stets um das Wohlergehen jedes Familienmitglieds besorgt, hat sich besonders beim Schenken lange überlegt, womit sie der- oder demjenigen eine Freude bereiten konnte.

 

Katina hatte nach den Sternen gegriffen, viel erreicht.

 

Niemand, auch sie nicht, sahen die ersten Schatten, die sich an Katinas Seele hefteten.

Als sie sichtbar, spürbar wurden, kämpfte sie entschlossen dagegen an, suchte Hilfe, fand sie zuerst in London, dann zu Hause bei der Familie.

Jeder, der sie gut kannte, vermisste die lebensfrohe junge Frau, die irgendwie immer sang und tanzte.

 

Geborgenheit, neue Bilder, Hilfe und einfach unendlich viel Liebe umgaben sie.

Alle hofften mir ihr, dass sie bald in das Leben zurückkehren könne, das sie so liebte.

 

Sie stellte sich mutig dem Neubeginn und war sich selbst dabei der kritischste Begleiter.

Die Schatten auf ihrer Seele aber ließen sie nicht los.

Schwere Entscheidungen mussten getroffen werden. Ihre Firma hatte ungewöhnlich lange auf ihre Rückkehr gewartet, ein Zeichen ihrer großen Wertschätzung.

Katina musste nun in Chemnitz wieder Fuß fassen, fand eine neue Arbeit und eine eigene Wohnung.

Die junge Frau schien so zukunftsorientiert. War es endlich der ersehnte Durchbruch, auf den alle mit ihr hofften?

 

Die erdrückende Krankheit gab Katina nicht die Chance eines Neubeginns, ließ sie nicht anders handeln.

Sie wusste um unsere Trauer, aber sie musste für immer gehen, ihre Krankheit hat es so entschieden.

Sie hat nochmals an die Familie und ihre Freunde gedacht, wollte sich für all‘ die Liebe und Fürsorge bedanken.

 

Katina, unsere geliebte Tochter, Schwester, Enkelin, Freundin, geschätzte Kollegin, eine Frau, die wusste, Herzen auf ewig an sich zu binden, traf eine Entscheidung, die jedem von uns unendlich weh tut und bittet um Verständnis und unsere Ihre Liebe und weiß

 

wohin auch immer ihre befreite Seel fliegt, sie in unseren Herzen ein Zuhause haben wird.

Ruhe in Frieden Katina